01.03.2005 - The Clint, wow! Und das arme Mädchen aus dem Trailerpark hat es ebenfalls nochmal gepackt. Wie macht sie das: Zwei halbwegs bekannte Filme und für jeden gleich nen Oscar? Martin Scorsese dagegen... Was kann der Mann tun, damit endlich auch seine Träume wahr werden? Dass er sich noch gefälliger einzuschmeicheln versucht als mit The Aviator ist schlecht vorstellbar - und kaum wünschenswert. Sein nächstes Projekt wird angeblich ein blutiger Mafia-Thriller, mit Jack Nicholson, Martin Sheen, Alec Baldwin, Matt Damon, Mark Wahlberg - und Leo ist auch wieder dabei. Zur nächsten Saison wird der wohl nicht mehr pünktlich fertig, aber 2007 ist Marty wieder ganz vorne dabei, jede Wette.
27.02.2005 - Kurz vor der Show machen zwei neue Nachrichten die Runde, die das Ergebnis vorweg nehmen: Der große Gewinner bei den diesjährigen Academy Awards ist ...
The Aviator, behaupten Journalisten des Wall Street Journal, die nach einer Datenanalyse der Oscar-Geschichte ein Verfahren entwarfen, das immerhin 90% aller bisherigen Academy Awards nachträglich korrekt prognostizieren könnte. Unterstützung erhielten sie von Prof. Andrew Bernard, einem Ökonomen, der mit einem ähnlichen Modell bekannt wurde, mittels dessen sich die Anzahl der Medaillen eines Landes bei den olympischen Spielen 2004 vorhersagen ließ. Für die Oscar-Prognose wurden als Variablen die Summe der Nominierungen eines Beitrags, Gewinne bei den Globes, die Länge des Films und der Starttermin in den USA herangezogen. Jedes andere Best Picture als The Aviator wäre die größte Überraschung seit 20 Jahren, so das Wall Street Journal.
M$B gewinnt trotzdem, sind sich die Macher des Hollywood Stock Exchange sicher. Ein ranghoher Mitarbeiter der Academy, angeblich Producer Gil Cates, ließ in einem Interview durchblicken, die bei HSE veröffentlichten Quoten seien im Großen und Ganzen zutreffend. Wer weiß es besser: Ein Insider oder die Statistik? Spannung bis zuletzt!
23.02.2005 - Die Quoten der Buchmacher führen weiter The Aviator als Favoriten. Im Gegensatz zu den Kritikern, die in den Hauptkategorien auf M$B setzen. Hinsichtlich der schauspielerischen Leistungen herrscht Einigkeit: Das erwartete Ergebnis entspricht zu 100% den SAG-Awards. Überraschungen sind zu Gunsten Virginia Madsens, vielleicht sogar Clive Owens denkbar. Auch bei den Drehbüchern vertrauen die Profis diesmal komplett auf die WGA. Der Kleinkram geht zu einem Teil sicher an die Howard-Hughes-Story. Die Incredibles werden wohl ebenfalls mehrfach ausgezeichnet. Für Neverland sieht es dagegen eher mau aus. Bei Foreign Language wird mit Sea Inside oder The Chorus gerechnet. Ein Sieg für Downfall gilt als eher unwahrscheinlich, zumal erst vor zwei Jahren ein Beitrag aus Deutschland gewählt wurde. Die vieldiskutierte Problematik, Hitler mit menschlichen Zügen zu inszenieren, wird in der Kampagne umgangen. Dort heißt es einfach: "One of the best war movies ever made ... on par with Saving Private Ryan and Das Boot in every regard." Das wird dem Werk zwar nicht ganz gerecht, zieht aber möglicherweise mehr Wähler in die Previews, die dann doch... aber darauf würde ich nicht wetten.
20.02.2005 - Noch eine Woche. Gestern waren Writers Guild, Costume Design und Audio Awards am Zug, heute folgen die Schnitttechniker, dann sind alle Preise im Vorfeld der Oscars durch. Die Autoren wählten Sideways und Eternal Sunshine of the Spotless Mind. Beide sind nun endgültig die Favoriten für die entsprechenden Academy Awards. Alexander Payne und Jim Taylor wurden bereits vor fünf Jahren für Election geehrt. Charlie Kaufmanns ist nach Being John Malkovich und Adaptation für Eternal Sunshine bereits zum dritten Mal nominiert. Diesmal bekommt er vielleicht endlich seinen Oscar - und darf trotzdem nicht auf die Bühne. Produzent Gil Cates hat nämlich Änderungen für die Show angekündigt. Während in einigen Kategorien alle Nominierten auf die Bühne gebeten werden, damit die Enttäuschung besser zu sehen ist, bekommen manche Preisträger die goldenen Statuetten direkt an ihrem Sitzplatz überreicht. Nach der Idee des Jahres 2001, dem Sieger mit der kürzesten Rede einen Farbfenseher zu schenken, eine weitere Innovation zur Straffung der Show. Unvergesslich Julia Roberts' Hinweis zu Beginn ihrer Dankesrede, sie besitze bereits ein TV-Gerät und werde sich deshalb nicht das Wort abschneiden lassen.
13.02.2005 - Die Academy hat entschieden: Die Gewinner sind The Aviator, Imelda Staunton, Cate Blanchett, Jamie Foxx und Clive Owen! Die Rede ist natürlich nicht von den Oscars der amerikanischen Academy for Motion Pictures, Arts and Sciences, sondern von den British Academy for Film and Television Awards, den BAFTAs. Die Auszeichnung für Vera Drakes Hauptdarstellerin bedeutet daher nicht unbedingt viel für das US-Pendant in zwei Wochen. Andererseits wird in diesen Tagen ein Großteil der Stimmzettel für die Oscars ausgefüllt. In Kategorien ohne klare Favoriten, könnte ein BAFTA-Erfolg den entscheidenden Schubs geben. Ob das bei Leading Actress der Fall ist, sei dahin gestellt. Bei Supporting allerdings... The Aviator kann jedenfalls seinen Status als Frontrunner verteidigen. Million Dollar Baby war in London gar nicht erst nominiert. Wegen strenger Sicherheitsmaßnahmen hatten nur 100 der 6000 Mitglieder DVD-Screener erhalten - nicht genug, um Clints Überraschungserfolg auch in UK bekannt zu machen. Fragt sich, was die Produzenten teurer zu stehen kommt, Filmpiraterie oder BAFTA-Abstinenz. Mittlerweile bekommen die Gremien die nominierten Streifen leichter aus dem Internet als auf dem offiziellen Weg.
06.02.2005 - Die Screen Actors Guild vergibt ihren Jahrespreis anSideways! Damit ist wieder alles möglich, sogar ein Regie-Oscar für Alexander Payne! 1999 zum Beispiel war Saving Private Ryan der Topfavorit für die Oscars: Golden Globes für Drama und Regie, Preisträger der Directors und der Producers Guild. Der SAG-Award jedoch ging an Shakespeare in Love, und Best Picture bald darauf ebenso. Interessant auch der Vergleich mit 2001: Ungeachtet des SAG-Ensemble-Preises für Traffic wurde Gladiator erwartungsgemäß Bester Film. Directing ging allerdings an Steven Soderbergh. Das war besonders bemerkenswert, weil der für Traffic und zusätzlich für Erin Brockovich nominiert war und daher seine Chancen durch mögliches Stimmensplitting eingeschränkt. Zudem gab es mit Ang Lee (DGA für Crouching Tiger, Hidden Dragon) und Ridley Scott (Gladiator) zwei schwergewichtige Konkurrenten. So auch dieses Jahr - und Alexander Payne könnte sich zuletzt als lachender Dritter erweisen. Immerhin stellen die Schauspieler die mit Abstand größte Gruppe innerhalb der Academy. Die Einzelauszeichnungen gingen an Hilary Swank, Jamie Foxx, Cate Blanchett und Morgan Freeman. Dazu mehr in den nächsten Tagen.
30.01.2005 - Never underestimate The Clint! Die Directors Guild versagte Martin Scorsese zum sechsten Mal die Anerkennung und zog Eastwood für M$B vor. Damit lässt sich jetzt bereits sicher sagen: Dieses Jahr werden Oscar-Traditionen gebrochen. Denn seit 1950 gab es erst sechs Jahre, in denen der DGA nicht den Regie-Oscar vorweg nahm. Bei zwei dieser Ausnahmen zeigte er dennoch die Kategorie Bester Film korrekt an. Im gleichen Zeitraum gingen Regie und Best Picture lediglich 10 Mal an unterschiedliche Filme. Nach diesen Kriterien läge Million Dollar Baby klar vorn. Andererseits gewinnt zu 80% das längste Werk, eindeutig The Aviator. Als Beitrag mit den meisten Nominierungen, GG und PGA-Preisträger hat er nochmal bessere Chancen. Alles läuft auf einen Popularity-Contest zwischen den beiden Regisseuren hinaus. Scorsese bekam als einziger Kandidat stehenden Applaus. Aber Eastwood ist auf einem neuen Höhepunkt allgemeiner Wertschätzung angelangt, die sich bereits im vergangenen Jahr mit Mystic River und den Lobgesängen seitens Sean Penn und Tim Robbins abzeichnete und jetzt mit Hilary Swanks und Morgan Freemans Unterstützung fortgesetzt wird. Deren Chancen auf eigene Auszeichnungen für M$B sind ebenfalls immens gestiegen. Nächste Station: Screen Actors Guild Award, Sa 5.2.
25.01.2005 - Der Untergang ist als bester fremdsprachiger Beitrag nominiert! Gegen Mar Adentro sehe ich zwar keine Chance, aber was weiß ich schon? Nach meiner Prognose wäre er gar nicht dabei, und statt dessen Flying Daggers mehrfach gesetzt. Überraschend auch Alan Alda als supporting act. Das könnte bedeuten, dass Aviator bei den Mitgliedern der Academy *richtig*gut* ankommt. So verhält es sich aber auch mit Clint Eastwoods Nominierung als Hauptdarsteller in M$B. Sein neuester Regiestreich scheint, wie schon Mystic River, kräftig einzuschlagen. Aviator etabliert sich jedenfalls als Spitzenreiter für Best Picture, daran ist nicht mehr zu rütteln: Golden Globe und PGA-Winner, der längste der aufgestellten Filme, die meisten Nominierungen - alles Indizien, wenn es nach der Oscar-Statistik geht. Best Pic und Directing gehen außerdem fast immer ins gleiche Lager. Das hieße dann, dass auch Marty endlich... Doch die erweiterte Regel lautet: Best Picture = Oscar für Regie = Directors Guild Award. Für Eastwoods Unforgiven traf das 1993 zu. Scorsese trotz mehrerer Gelegenheiten bisher: niente. Letztes Jahr bekam er wenigstens den DGA für sein Lebenswerk. Macht er jetzt den Schni-Schna-Schnappi? Samstag: DGA
23.01.2005 - Der Jahrespreis der Producers Guild geht an The Aviator. Stößt das Epos auch bei den Mitgliedern der Academy auf breite Akzeptanz? Am Mittwoch wird es sich zeigen. Nebenrollen-Nominierungen für Alan Alda oder Alec Baldwin wären deutliche Hinweise. Wird Clint Eastwood andererseits nicht nur für die Regie, sondern auch als bester Hauptdarsteller gesetzt, hat M$B vielleicht die Nase vorn. Für Sideways wäre ein Überraschungserfolg in der vierten Schauspiel-Sparte, eine Nominierung für Sandra Oh, das entscheidende Indiz. Hotel Rwanda wäre bereits mit einer Aufnahme unter die Best-Picture-Kandidaten einen Schritt weiter. Kommt dann noch eine Nennung für Sophie Okonedo als supporting actress dazu und womöglich eine weitere für Regisseur Terry George, ist alles drin. Oder ist Ray ganz vorne dabei? Jamie Foxx hat einen Grad an Beliebtheit erreicht, der das Biopic in weitere Top-Kategorien katapultieren könnte. Geringere Aussichten auf die ganz große Nummer haben Closer, Neverland und Kinsey, aber auch für die ist der Zug noch nicht abgefahren. Der Letztgenannte wurde noch vor einem Monat gefeiert, jetzt ist er bereits Außenseiter. Timing ist alles.
22.01.2005 - In einem Jahr ohne klare Spitzenreiter können vermeintliche Kleinigkeiten im Vorfeld der Oscars entscheidende Wirkung entfalten. Wer hat bei den Globes sympathischer gewirkt, welchem Regisseur wurde von seinen Stars herzlicher gedankt, wer ist gar nicht erst erschienen? Auf die Oscarnominierungen können diese Eindrücke keinen Einfluss mehr haben, wohl aber auf das Endergebnis. In den letzten Wochen vor der großen Show geht es in erster Linie darum, die Mitglieder der Academy zu erreichen, und ihre Begeisterung zu wecken. Deshalb haben es Filme, die irgendwann im Laufe des Jahres liefen, grundsätzlich schwerer als frisch gestartete. Wichtige Indizien für die weitere Entwicklung bieten auch die Guilds, die einzelnen Berufsgruppen, mit ihren speziellen Preisverleihungen - die Kostüm- und die Maskenbildner, die Kameraleute, die Autoren, die Schnitttechniker, die Schauspieler, die Regisseure und die Produzenten. Letztere vergeben heute abend den PGA-Award, der häufig den Best-Picture-Oscar vorweg nimmt. Sie tendieren zu großen Produktionen, die ordentlich Kohle einspielen. Wird The Aviator ausgezeichnet, muss das nicht viel heißen. Feiern sie aber Sideways oder M$B...
20.01.2005 - Eigentlich stehen die Nominierungen bereits fest. Es fehlt nur noch die Auswertung durch PricewaterhouseCoopers. Das läuft in etwa so: Es wurde getrennt nach Kategorien abgestimmt. Regisseure nominieren für Best Directing, Autoren für die Drehbücher etc. Die Wahlunterlagen jeder Sparte werden zunächst nach der Erstpräferenz sortiert. Alle Kandidaten ohne Erstnennung fliegen sofort aus dem Rennen. Da kann bspw. Kinsey noch so oft als zweitbester Film genannt worden sein - hilft nix. Die Logik dahinter: Wenn kein einziges Mitglied einen Film für den besten des Jahres gehalten hat, dann war er es vielleicht tatsächlich nicht. Jeder Vorschlag mit einer festgelegten Mindestanzahl Erststimmen ist hingegen sofort nominiert. Die Zettel, die hier bereits mitgezählt wurden, finden keine weitere Berücksichtigung - die übrigen Präferenzen sind irrelevant. Dann werden die Stapel mit den niedrigsten Summen an Erststimmen auf die anderen Stapel verteilt. Dabei ist die zweite Nennung ausschlaggebend. Und danach vielleicht noch die dritte, vierte, fünfte. Bis alle Stimmzettel ausgewertet und fünf Nominierungen zusammen sind. Alles klar? Detailfragen bitte an PwC.
18.01.2005 - Wenn die Zeit drängt, und dem Redakteur nix einfällt, wird nach den Golden Globes gerne mal behauptet, der Weg zu den Oscars sei nun abgesteckt, die Favoriten klar. Das trifft manchmal zu, dieses Jahr sicher nicht: Die Hollywood Foreign Press Association hat mit ihren Entscheidungen das spannendste Rennen seit Jahren nach allen Seiten offen gelassen. Best Picture - Drama für Aviator, Comedy für Sideways, Beste Regie für Clint Eastwood und sein Million Dollar Baby. Damit bleiben die drei Frontrunner gleichauf. Das gilt auch für die schauspielerischen Leistungen. Annette Bening und Hillary Swank geben sich die Revanche zu 2000, als die Jüngere überraschend der schwangeren Diva die Statue wegschnappte. Natalie Portman und Clive Owen allerdings, beide Supporting für Closer - mit dieser Entscheidung war nicht zu rechnen, und sie gibt Mike Leighs Beziehungsdrama vielleicht Auftrieb für den Endspurt. Weitere Trends: Jamie Foxx ist nicht zu stoppen, Sideways und Aviator verlieren an Rückhalt. Hotel Rwanda könnte noch anziehen - keine Preise, aber beachtlicher Applaus bei allen Nominierungen.
06.01.2005 - Heute wurden die Nominierungen für den Directors Guild Award bekannt gegeben, gestern bereits die Favoriten der Producers Guild. Mit der langen Liste für die Golden Globes sind das bereits einige der wichtigsten Indikatoren im Vorfeld der Oscars. Höchste Zeit also, die Tipps zu aktualisieren und den Ausblick vom Februar zu relativieren. Die Vorschusslorbeeren für The Aviator waren offensichtlich nicht völlig daneben. Troja und Phantom der Oper hingegen... eher floppig. Der letztgenannte lief gerade erst an, könnte noch zulegen. Die bisherigen Kritiken und Zuschauerzahlen lassen das allerdings kaum erwarten. The Passion of the Mel hat in Hollywood so wenig Begeisterung hervorgerufen wie hierzulande. Maske könnte drin sein, recht viel mehr nicht. Und was den deutschen Beitrag betrifft - weit daneben. Das müsste natürlich The Downfall sein, mit dem grandiosen Bruno Ganz. Wer würde da auf die Bühne kraxeln: Eichinger oder Hirschbiegel? Foreign Language geht bekanntlich an den Regisseur. Aber wie schon bei Dreharbeiten, Postproduction und Presseauftritten würde sich der Constantin-Chef wohl kaum die Führung streitig machen lassen. Wir werden es leider nicht erleben.
11.02.2004 - Noch warten wir auf die Preisverleihung 2004 - wollen wir einen Blick in die Zukunft werfen, auf die Oscarnominierungen 2005? Nach drei Jahren in Folge das erste ohne einen Beitrag aus Mittelerde. Ende 2004 startet The Aviator, ein Biopic über den legendären Filmproduzenten Howard Hughes, dargestellt von Leo DiCaprio. Ihm zur Seite stehen Cate Blanchett als Katherine Hepburn, Kate Beckinsale als Ava Gardner und Jude Law als Errol Flynn, um nur die Wichtigsten zu nennen. Hollywood feiert sich selbst, so haben sie's doch am liebsten. Und deshalb wird endlich auch Regisseur Martin Scorsese angemessen belohnt. Die restlichen Preise teilen sich Wolfgang Petersens Troja und die Leinwandfassung vom Phantom der Oper. Mel Gibsons Passionsgeschichte wird größtenteils ignoriert. Foreign Language geht wieder an einen deutschen Beitrag: Was nützt die Liebe in Gedanken mit Daniel Brühl und August Diehl. 2006 kommt dann voraussichtlich der kleine Hobbit ins Spiel, aber das ist natürlich noch reine Spekulation. Zu den aktuellen Nominierungen geht es hier.