Kategorie 'Sneak Preview'
Sneaklist-Update
Zwanzig Filme, die in den nächsten Wochen in Deutschland starten. Meryl Streep als Köchin, Will Ferrell als experimenteller Wissenschaftler, Brad Pitt als Inglourious Basterd. Eddie Murphy hat eine berufliche Krise, fast wie im richtigen Leben. Bei Dennis Quaid läuft es dafür umso besser: Der ist gleich zweimal dabei, einmal als Chef-Actionfigur, einmal als Verfolger der Apokalyptischen Reiter. Ebenfalls Doppelauftritt: Seth Rogen. Wer das ist? Ab in die Sneak! Fast alle seine Filme liefen dort. Diesmal macht er mit Elizabeth Banks Standup und mit Adam Sandler nen Porno. Nee, umgekehrt. Und dann sind da noch zwei weitere Adams: Die Amy, als Bloggerin, die Meryls Rezepte nachkocht, alle 524, in 365 Tagen. Und der Dings, na der Adam eben, der seine Nachbarin kennenlernt. Nicht spektakulär genug? Da lässt sich was machen: Er leidet am Asperger-Syndrom. Und bevor jetzt zwei von drei Lesern (einer ist Psychologe) bei Wikipedia nachsehen: Das ist ne leichter verlaufende Form von Autismus. Außerdem im Spiel: Elite-Meerschweinchen, die einen Fabrikanten von Haushaltsgeräten zur Strecke bringen. Ang Lee lässt Woodstock wiederaufleben, Wong Kar-wei den Wuxia-Film. Das schaut Ihr jetzt selber nach. Viel geboten jedenfalls, Sneak rulez.
Slumdog Millionaire
Jamal Malik, ein 18-jähriger Junge aus den Slums von Mumbai, hat es als Kandidat beim indischen Wer wird Millionär? bis zur letzten Frage und damit fast bis zum Hauptgewinn von 20 Millionen Rupien geschafft. In der Nacht vor der letzten Runde wird er auf einer Polizeistation verhört und misshandelt. Wie anders als durch Betrug sollte ein unterprivilegierter Laufbursche die schwierigen Fragen aus verschiedensten Gebieten beantworten können? In Rückblenden erzählt Jamal von seiner Kindheit, seinem Bruder Salim, seiner großen Liebe Latika, von der Flucht vor brutalen Gangstern, dem Überleben auf der Straße. Jede Episode bietet eine Erläuterung für eine der Antworten im Fragespiel. Danny Boyle mischt Oliver Twist mit City of God, Quiz Show und World of Apu, gibt eine herzerwärmende Portion Romantik dazu und serviert das alles mit einer teils rasanten, teils pittoresken Bilderflut. Wer sich den Genuss einer gut erzählten, spannenden, stellenweise auch sehr witzigen Geschichte voller Dramatik, Tragik, Abenteuer und großer Gefühle mit intellektuellen Erwägungen verderben möchte, wird einige diskutable Aspekte finden. Die Sozialkritik erreicht in etwa das Level vom Dschungelbuch. Dabei gäben die angerissenen Themen viel her für intensive, differenzierte Auseinandersetzungen. Da wäre dann aber ein ganz anderer Film herausgekommen, und es wäre jammerschade um diesen, definitiv einen der besten des vergangenenen Jahres, der völlig zurecht als einer der Favoriten für die nächsten Oscars gilt. Deutscher Kinostart: 19.03.2009
Yes Man
Ein eigenbrötlerischer Bankangestellter, der seit einer gescheiterten Beziehung lieber alleine fernsieht statt Einladungen seiner Freunde zu folgen, gerät zufällig auf die Großverstaltung eines Motivationsgurus. Der schärft ihm ein: Ab sofort soll er alle Angebote, alle Fragen, alle Bitten grundsätzlich nur noch mit JA beantworten. Er probiert es aus – mit erstaunlichem Erfolg, beruflich wie privat. Jim Carrey und Zooey Deschanel in einer äußerst unterhaltsamen Komödie, die auf den Erlebnissen des BBC-Mitarbeiters Danny Wallace beruht. Der hat diesen waghalsigen Selbstversuch tatsächlich durchgeführt und einen Bestseller darüber geschrieben. Deutscher Kinostart: 19.02.2009, Der Ja-Sager.
Ghost Town
New Yorker Zahnarzt kann nach einer Operation, bei der er kurzzeitig klinisch tot war, plötzlich Geister sehen. Die Stadt ist voll davon. Und alle wollen was von ihm. Er soll Unfälle aufklären, Hinterbliebene trösten, verloren gegangene Abschiedsbriefe überbringen. Der Herr Doktor ist nur leider Verstorbenen gegenüber wenig aufgeschlossen, er kommt schon mit Lebenden kaum zurecht. Einen Auftrag übernimmt er jedoch: Ein ehemaliger Nachbar will die erneute Heirat seiner Witwe verhindern, und die gefällt dem Medium wider Willen selbst ganz gut. Überraschender Auftakt, schönes Ende, dazwischen plätschert es amüsant dahin. Ricky Gervais, der britische Stromberg, als Protagonist einer Romantic Comedy – wer kommt auf so ein Casting? Außerdem: Greg Kinnear, Téa Leoni. Deutscher Titel: Wen die Geister lieben. Ab 29. Januar im Kino.
Changeling
Los Angeles 1928: Eine alleinerziehende Frau vermisst ihren Sohn. Monatelang kein Hinweis, kein Lebenszeichen. Aber sie gibt nicht auf. Dann endlich meldet die Polizei, man habe das Kind wiedergefunden. Doch die Mutter ist sich sicher: Das ist nicht ihr Junge. Die Beamten wiegeln ab. Sie solle es doch mal mit ihm versuchen, der Fall sei abgeschlossen. Sie lässt nicht locker, geht an die Öffentlichkeit. An schlechten Schlagzeilen sind die korrupten Behörden überhaupt nicht interessiert. Die Frau erkennt ihr eigenes Kind nicht wieder? Ab in die geschlossene Psychiatrie! Die unglaubliche Story beruht auf wahren Begebenheiten. Clint Eastwood behandelt in seiner ruhigen, langsamen Inszenierung drei Themenkomplexe: Die Auswüchse unzureichend kontrollierter Staatsgewalt; die institutionelle Unterdrückung weiblicher Selbstbestimmung in einer männlich dominierten Welt; die Folgen von Kindesmissbrauch, im Gegensatz zu Mystic River hier mit Blick auf die Bestrafung der Täter. Kein gute-Laune-Film also. Eastwoods selbst komponierte, melancholische Filmmusik trägt weiter dazu bei. Tolle Bilder: Grau-braune Großstadtstraßen und dann im Vordergrund ein gelbes Taxi. Chinatown spielt etwa zur gleichen Zeit. Nicht auszumalen, wieviel beeindruckender dieser Klassiker noch sein könnte, wäre er mit heutigen Mitteln realisiert. Überzeugende Auftritte von Angelina Jolie, Amy Ryan, John Malkovich. Vielleicht zwei-drei Oscar-Nominierungen.





