Die restlichen Guild Awards
19. Februar 2009Kamera, Schnitt, Ton, Kostüme, Sound, Art Direction – Slumdog Millionaire wurde in den letzten Wochen bei so ziemlichen allen Preisverleihungen im Vorfeld der Oscars ausgezeichnet. Benjamin Button ging nicht völlig leer aus, aber wo immer beide Filme gegeneinander antraten, hatten die indischen Kids die Nase vorn. Besonders bemerkenswert ist der Preis der Cinema Audio Society, der normalerweise nicht an die Bewerber aus der Drama-Ecke verliehen wird, sondern an Action-Kracher wie Quantum of Solace oder Iron Man. Danny Boyles Überraschungserfolg, der zunächst Schwierigkeiten hatte, überhaupt einen Verleih zu finden, scheint mittlerweile, vielleicht gerade wegen seiner mehrdimensionalen Underdog-Story, Rückhalt in allen Gruppen des Filmschaffens gefunden zu haben. Zur Erinnerung: Die wichtigsten Interessenverbände, die Guilds der Directors, Producers, Writers und Screen Actors hatten die Linie schon seit Jahresbeginn vorgegeben. Gleiche Tendenz bei den Golden Globes und kürzlich bei den BAFTAs, den Film and Television Awards der British Academy. Was bedeutet das für die Oscars?
Nicht auszuschließen, dass der erste Clean Sweep seit Peter Jacksons Triumph mit dem dritten Teil der Ringe-Saga bevorsteht. So heißt das, wenn ein Film alle Kategorien abräumt, in denen er zur Wahl stand. Der meistnominierte Beitrag dieser Saison wird allerdings nicht völlig erfolglos bleiben. Welche Kategorien bleiben noch übrig? Vor allem die weniger prestigeträchtigen wie Art Direction, Maske und Kostüme. Die Costume Designers Guild hat zwar in der Sparte für Filme eines historischen Zeitabschnitts The Duchess vorgezogen, aber meine Vermutung ist, dass viele Oscar-Wähler wegen der Gesamtzahl an Nominierungen unbedingt an der einen oder anderen Stelle für Benjamin Button stimmen wollen.
Das könnte auch Penélope Cruz zum Verhängnis werden, die eigentlich als Favoritin für die beste weibliche Nebenrolle gehandelt wird. Ihre Konkurrentin Taraji P. Henson verleiht dem Curious Case das bisschen Herz, an dem es sonst in dieser virtuos konstruierten Geschichte fehlt. Brad Pitt bleibt hingegen chancenlos im Rennen um den Oscar für die beste männliche Hauptrolle. Selbst wenn die beiden Favoriten Sean Penn und Mickey Rourke die Stimmen untereinander aufteilen, so dass ein lachender Dritter zum Zuge kommt – wäre das vermutlich Frank Langella. In den technischen Kategorien stehen mit The Dark Knight und WALL-E ebenfalls beliebte Mitbewerber zur Auswahl, die auch bei den Guilds mehrfach punkten konnten. Trotz des unangefochtenen Status von Slumdog Millionaire bleiben also noch diverse Sparten übrig, in denen das Rennen offen bleibt.
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